Veranstaltungsbericht: Alternative Finanzierungsmethoden auf dem Vormarsch! …oder doch nicht?

Projektinitiator von we4tourism und Tourismusbank Generaldirektor Wolfgang Kleemann war gemeinsam mit Crowdinvesting-Marktführer Paul Pöltner von CONDA AG einer der Top Experten der Prodinger und Club Tourismus Partnerveranstaltung „Alternative Finanzierungsmethoden auf dem Vormarsch! …oder doch nicht?“ am 11. Oktober in den Büroräumlichkeiten der Prodinger Tourismusberatung in Zell am See. Sie gaben rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern Tipps rund ums nicht ganz so klassische Finanzieren von Tourismusprojekten.

Unter dem Titel „Ist alles Gold was glänzt?“ lud die Prodinger Gruppe gemeinsam mit dem Club Tourismus zu einer Kooperationsveranstaltung nach Zell am See, um über alternative Finanzierungsformen und den „Boom“ der Crowdfinanzierung zu diskutieren.

Crowdinvesting und Crowdfunding sind Schlagworte, die seit Inkrafttreten des Alternativfinanzierungsgesetzes (15.09.2015) gerade in den letzten 2 Jahren medial stark diskutiert wurden. Grund genug, um die touristische Nutzung der Crowd anzusprechen, den Marketing-Effekt zu hinterfragen und über weitere Finanzierungsmethoden nachzudenken.

Eine gute und kreative Idee für ein Projekt ist oft schnell zur Hand – doch woher die nötigen finanziellen Mittel für das Vorhaben nehmen? Immer häufiger ist von Crowdfunding und Crowdinvesting die Rede. Die Idee dahinter: Eine Vielzahl an Geldgebern nutzt spezielle Internetplattformen, um durch kleine Beiträge konkrete Projekte zu finanzieren.

DI MMag. Paul Pöltner stellte die heimische Crowdinvesting-Plattform CONDA.at vor, welche 2013 online ging und bereits knapp 90 Projekte erfolgreich begleitet hat. „Dabei geht es nicht um reine Ideen-Finanzierung, sondern um das Finanzieren von greifbaren und gut geplanten Geschäftskonzepten“, unterstreicht Pöltner das Ziel von Crowdinvesting. Hauptkriterium einer erfolgreichen Kampagne ist immer der Kampagnenstart, denn nur wer gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit und die Investitionsbereitschaft seiner Stammgäste anspricht, hat auch eine realistische Chance darauf, weitere Geldgeber anzulocken – kaum jemand investiert jedoch in ein Projekt, das bereits seit Tagen online ist und noch keine Unterstützung erlangt hat.

Mag. Wolfgang Kleemann (Geschäftsführer der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank) schockierte die Teilnehmer eingangs mit seiner Darlegung, warum Crowdinvesting für die Tourismusfinanzierung NICHT geeignet ist. Tatsächlich kommt es auf das Verhältnis an und Crowdinvesting kann im Finanzierungs-Mix sehr wohl eine wichtige Rolle spielen. Mit we4tourism wurde eine Plattform geschaffen, die mehr kann als bestehende Portale, denn als Tourismusportal werden regelmäßig aktuelle News und Blogbeiträge aus der Branche für die Tourismus-interessierte Crowd aber auch die so wichtigen Akteure im Tourismus (Unternehmer, Start-ups, Finanzierungspartner, Promoter, …) zur Verfügung gestellt. Das bislang erfolgreichste Projekt von we4tourism ist sicherlich die Teilfinanzierung der COOEE alpin Hotels von Hermann Maier und Rainer Schönfelder.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion wurde das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet und Mag. Sperrer (Geschäftsführer SST Touristik Vertrieb) stellte noch eine weitere Finanzierungs-Alternative vor, bei der der Ansatz verfolgt wird, notwendige Investitionen mit leeren Zimmern zu bezahlen: Ein Modell, dass immer mehr Anklang findet, aber eher für kleinere Investitionen geeignet ist.

Die von Moderator Marco Riederer (Präsident Club Tourismus) gestellte Frage, ob nach dem Urteil vom obersten Gerichtshof (tausende Kreditnehmer in Österreich haben zu viel Zinsen bezahlt) nun auch Gewerbebetriebe Chancen haben, künftig negative Zinsen zurückzubekommen, wurde von den Anwesenden Experten fast einheitlich verneint. Im Grunde sei jeder Fall einzeln zu prüfen, es ist allerdings nicht auszuschließen, dass es einen Fall geben könnte, bei dem Aussicht auf Rückzahlung besteht.

Weit erfreulicher war dann doch die Aussicht auf neue Förderungen 2018.

Titelfoto (c) Florian Lechner