Rating verbessern – geht das?

Gut und über Jahrzehnte eingespielte Verfahrensmuster werden nicht über Nacht geändert. So hat es auch einige Zeit gedauert, bis Banken die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens als ein wesentliches Kriterium für die Zinssatzberechnung herangezogen haben. Die großen und international tätigen Banken haben bald damit begonnen und es sukzessive umgesetzt und mittlerweile sind es nur mehr wenige lokale Institute, deren Zinssatzgestaltung von der wahrscheinlichen wirtschaftlichen Stabilität des Kreditnehmers nicht beeinflusst wird.

Wenn das Rating und damit das eingeschätzte Risiko des Kunden einen wesentlichen Bestandteil des Zinssatzes ausmacht, dann ist es nur konsequent, wenn Kunden deren Finanzierung maßgeblich auf Bankkrediten beruht, versuchen werden ein gutes Rating zu erreichen. Die in den letzten Jahren durchgängig über alle Branchen zu beobachtende Verbesserung der Eigenkapitalausstattung ist wohl auch wesentlich mit den Überlegungen begründet weiterhin einen Zugang zu günstigen Finanzierungsquellen zu haben.

Das erfreuliche Ergebnis ist jedoch mit Vorsicht zu betrachten. Die Verbesserung ist über weite Strecken nicht auf gute wirtschaftliche Ergebnisse sondern eher auf eine Neubewertung der Aktiva zurückzuführen. Die Bilanzwerte sind allerdings damit der Wirklichkeit ein Stück näher gerückt. Die oftmals ins Treffen geführten stillen Reserven sind damit aufgelöst und haben als Argumentationshilfe mehrheitlich wohl endgültig ausgedient.

Aber gibt es – von der Eigenkapitalausstattung abgesehen – noch weitere Möglichkeiten auf sein Rating Einfluss zu nehmen? Ja da gibt es doch noch einiges:

  • Investitionen aktivieren: Die bisherige Praxis – Investitionen nicht zu aktivieren, um Ertragssteuern zu vermeiden – ist aus Gründen des Bilanzbildes nicht zweckmäßig. Die Ausnutzung von Wahlrechten oder Spielräumen bei der bilanziellen Behandlung von Anschaffungs-, Her­stellungs-, Instand­setzungs- und Instand­haltungs­kosten sollte nicht nur aus steuerlichen Überlegungen erfolgen. Künftige bilanzielle Optimierungs­überlegungen sollten vielmehr auch Rating-Gesichts­punkte berück­sichtigen.
  • Haftungen von Bürgschaftseinrichtungen (ÖHT – Österreichische Hotel- und Tourismusbank Ges.m.b.H. und Landes­garantie-Einrichtungen) gewinnen an Bedeutung, da damit die beste Ratingstufe (AAA-Rating des Bundes bzw. Bonitätsklasse des jeweiligen Garantiegebers) für den mit der Haftung ausgestatteten Kredit erreicht werden kann.
  • Jahresabschluss samt ergänzender wirtschaftlicher Informationen (Nächti­gungs­zahlen, Auslastung, Kennzahlen, Vergleichwerte, etc.) sind im Rahmen der gesetzlichen Fristen (fünf Monate nach Bilanzstichtag bei Kapital­gesellschaften und neun Monate bei Personen­gesell­schaften) vorzulegen.
  • Die Vorlage eines Business-Plans zur wirtschaftlichen Unter­mauerung von Vorhaben erleichtert die Argumentation gegenüber Kapitalgebern, beweist Planungs-Know-how und erleichtert der Hausbank den Einblick in die wirtschaftlichen Aus­wir­kungen von Investitionsplänen. Diese Planrechnungen sind vor allem für Unternehmens­gründer von Bedeutung, die noch auf keine Erfolgshistorie verweisen können. Im Zusammenhang mit neuen Investitionsprojekten ist vor allem darauf zu achten, dass die wirtschaft­lichen Auswirkungen der Investition gut argumentierbar sind.
  • Verbesserung der Kommunikation Bank/Kreditnehmer und Information über einschneidende Veränderungen (Betriebsübergabe, große Investitionsvorhaben, steuerschonende Bilanzierungsaktivitäten etc.) sind wichtige vertrauens­bildende Maßnahmen.
  • Absehbare Zahlungsprobleme aufgrund eines unglücklichen Geschäftsverlaufes sollen rechtzeitig mit der Hausbank besprochen werden, damit einerseits Tilgungs­freistellungen vereinbart und andererseits Verzugszinsen vermieden werden können. Neu im Zusammenhang mit den neuen Risikoeinstufungen wird auch eine Liste von Unternehmen sein, deren Forderungen 90 Tage überfällig sind. Diese Unternehmen sind in der Klasse der gefährdeten Unternehmen – mit den bekannten Auswirkungen auf Eigenkapital­unterlegung und Risiko­zuschlag – zu führen. Die rechtzeitige Kontaktaufnahme vor Fälligkeit von Zinsen oder Kapitaltilgungen ist daher in jedem Fall zu empfehlen.

Durch den mit dem Rating verbundenen notwendigen Informations­austausch sollen letztendlich Bank als auch Kunde gewinnen. Die aktive Kommunikation und Beratung unterstützt die Bonität der Kreditnehmer und durch die verbesserte Bonität der Kunden gewinnt auch die Risikostruktur des Kreditbestandes einer Bank an Qualität. Geringere Kreditausfälle führen auf mittlere Sicht zu günstigeren Kostenstrukturen im Kredit­ge­schäft, wovon auch wieder die Kunden profitieren sollten. Rating kann – so wenig geliebt es vor allem aus Sicht der Bankkunden ist – zu einer echten Win-Win-Situation sowohl für Kunde als auch Bank führen.