Destinationen im Vergleich

Österreich wird heuer einen neuen Rekord an Nächtigungen erzielen. Aber trotz der erfreulichen Zuwächse, die sich scheinbar gleichförmig über Österreich spannen, könnte die Entwicklung kaum unterschiedlicher sein. Die ÖHV und das Marktforschungs­unternehmen Manova haben aus den statistischen Daten das Mögliche herausgeholt und anhand von fünf Indikatoren (absolute Nächtigungen, Bettenauslastung, Marktanteil im jeweiligen Destinationstyp, Saisonalität, Internationalität) sowohl den Absolutwert als auch die Veränderung nach einem einheitlichen Schlüssel gewichtet und damit die heimischen Destinationen bewertet.

Eindeutige Sieger im Destinationenranking sind die Städte, die gleich die vier ersten Plätze besetzen. Der Trend zu Kurzreisen und Kultur kommt ihnen entgegen und im Hinblick auf die Ausgeglichenheit der Saisonen und der Internationalität können sie entspannt punkten. Ein Großteil des Nächtigungszuwachses der letzten Jahre geht auf das Konto der Städte und dabei liegt Wien mit erfreulichen Zuwächsen an der Spitze.

Die Destination Saalfelden-Leogang zeigt auf, dass Bergdestinationen mit ausgeprägtem Sportangebot für zwei Saisonen trotz mancher schneearmer Winter punkten konnten. Der Zusammenschluss von Skigebieten und der Ausbau des Sommer-Sportangebotes sind dafür verantwortlich. Der weiter fortgesetzte Ausbau von Skigebieten durch den Zusammen­schluss mit Fieberbrunn und später Zell am See lassen auch für die Zukunft erfreuliche Dynamik erwarten. Rechtzeitig hat man – wie auch in anderen erfolgreichen Destinationen – damit begonnen neben der derzeit erfolgreich laufenden Wintersaison auch in den Ausbau des Sommers und der Nebensaisonen zu investieren, um in Zukunft ein stärkeres zweites Standbein zu haben, falls eine Wintersaison aufgrund von Schneemangel unter den Erwartungen bleiben sollte.

Als echte Verlierer entpuppen sich mehr und mehr die Seengebiete – in der Hauptsache in Kärnten aber auch im Salzkammergut. Stark abhängig vom Wetterglück stehen sie noch immer für Badeurlaub. Während die wirklichen Wasserratten dank günstiger Flüge Sonne, Sand und Meer buchen, haben unsere Seengebiete eine Kompetenz für Urlaubs­inhalte abseits des Wassers noch nicht ausreichend aufbauen können.

Der Wörthersee, der mit etwa 1,7 Mio. Nächtigungen die Spitzenposition unter Österreichs Seen hält, ist auch symptomatisch für die verfahrene Situation. Die kurze Saison erlaubt für jene Betriebe, die abgesehen vom See keine eigenständige Attraktivität aufweisen, keine wirtschaftliche Führung und die Preise sind ohnehin aufgrund der Konkurrenz von südlichen Sonnenländern bei weitem zu niedrig. Während allerdings Österreichs Städte oder Südtirols Dörfer im Herbst ausgebucht sind und auch Wanderdestinationen noch Urlauber beherbergen, sind Anfang September an den Seen längst die ersten Betriebe geschlossen. Eine kurze Saison, die im Wesentlichen auf zwei gut gebuchten Monaten fußt, erlaubt keine wirtschaftliche Führung eines Betriebes und ermöglicht schon gar keine Investitionen in die Zukunft.

Die Destinationskarte zeigt ein buntes Bild des heimischen Tourismus in seiner ganzen Heterogenität, wo natürliche Voraussetzungen, weltweite Trends und das Geschick der Manager in den Destinationen und den Unternehmen die Karten Jahr für Jahr neu mischen. Die Ergebnisse sollen immer wieder Ansporn sein, das Schicksal der Destinationen in die Hand zu nehmen und aktiv zu steuern. Sie können aber auch als Hinweis darauf verstanden werden, dass auf Destinationsebene noch weitere Daten (etwa Umsatz, Preise) wünschenswert sind, um die Analysen und den Vergleich weiter zu verbessern. Auch ein Einbeziehen ausländischer Destinationen könnte helfen das eigene Standing besser zu beurteilen und daraus Konsequenzen abzuleiten.