Individualisierung der Beherbergung

Trendige Angebote erobern den Markt – die Gäste finden das gut und die Hotellerie schaut ratlos zu…..?!

Es ist mir auch selbst schon passiert: Im Mai bin ich auf der „booking.com-Suche“ (warum ich dort buchen wollte, ist – wie man so schön sagt – eine andere story….) nach einem 5-Stern-Hotel in Rovinji über eine private Villa direkt am Meer gestolpert und hab‘ dann lieber dieses Designerhaus anstatt eines Hotels gebucht. Letzte Woche habe ich zwei Nächte in einem Zirkuswagen verbracht – alternativ hätte es auf dem „Hofgut Hopfenburg“ auch ein Indianer-Tipi oder eine mongolische Jurte sein können; eines der ebenfalls angebotenen klassischen Appartements zu buchen, habe ich nicht einmal überlegt!

„Beherbergung anders gedacht“ könnte auch als Überschrift über dem Symposium stehen, das ÖHT gemeinsam mit dem BMWFW und in Partnerschaft mit ÖHV und WKO veranstaltet.

Das Thema haben wir gewählt, weil wir beobachten, dass sich das Nachfrageverhalten im Tourismus – vor allem in der Beherbergung – grad völlig verändert. Gebucht wird über Airbnb, Lodges und Hüttendörfer boomen, Bewertungsplattformen sind fast schon wichtiger, als offizielle Sternderln und jeder Gast sucht einen Geheimtipp und will um Gottes Willen alles, nur nicht „Tourist“ sein. Ein Megatrend? Ja, aber einer, der droht, an der gewerblichen Hotellerie vorbeizugehen, anstatt von ihr aufgenommen zu werden und zur Kreation von neuen, innovativen Produkten zu führen. Warum muss eine Betriebsgrößenoptimierung – angesichts der Klein- und Kleinststrukturen unserer Beherberger eine wichtiges betriebswirtschaftliches „Muss“ – immer als Aufstockung des Hotelgebäudes oder als Zubau erfolgen und damit letztendlich immer wieder zum gleichen Produkt führen. Warum kann nicht ein traditioneller Hotelbetrieb zum Beispiel in Niederösterreich auch einmal was anderes machen – Lodges in den Weingarten stellen zum Beispiel. Und warum kann nicht ein Hotel an einem Kärntner See, dessen Hauptsaison nun einmal der Sommer ist, seinen Gästen ein paar hochkarätige Luxuszelte auf dem Seegelände bieten – „Glamping“ (eine Wortkombination aus „glamour“ und „camping“) als saisonale Kapazitätserweiterung mit perfektem Erlebnisfaktor und hoher Rentabilität.

Ein Vortrag zu „Innovation und/oder Tradition?!“, ein praktischer und philosophischer Zugang, von Dr. Horst Peter Groß, Vorsitzender des Universitäts.club|Wissenschaftsverein Kärnten, wird die Einstimmung zu unserem Symposium sein und soll für das Thema sensibilisieren. Branchengrößen wie Erich Falkensteiner, aber auch Szene-Größen wie die Reisebloggerin Butterflyfish finden sich in weiteren Vorträgen und Diskussionsrunden. Expertinnen und Experten aus den unterschiedlichsten Branchen, wie beispielsweise der Start-up Entwickler Oliver Holle oder ein Dialog zu rechtlichen Themen unter anderem mit Theresia Kohlmayr von urbanauts/streetloft, der ÖHV-Präsidentin Michaele Reitterer, Andrea Feldbacher vom Fachverband Hotellerie der WKO und Martin Jenewein von Airbnb geben tiefe Einblicke rund um die „Individualisierung der Beherbergung“. Weitere Diskussionsrunden mit Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut und mit Heidi Tscharf und Richard Bauer von der Österreich Werbung beleuchten die marktseitigen Entwicklungen – vor allem bringt die Veranstaltung eine Vielzahl von tollen Praxisbeispielen aus dem In- und Ausland – teilweise präsentiert von den Unternehmern bzw. „Erfindern“, die auch für Diskussionen, Fragen und Anregungen zur Verfügung stehen. Und natürlich werden auch die Fragen, wie finanziert man solche Innovationen und was bringen sie in betriebswirtschaftlicher Betrachtung, angesprochen.

Das Symposium findet Donnerstag 24. September nachmittag bis Freitag 25. September mittag in magdas HOTEL, Laufbergergasse 12, 1020 Wien und in der angrenzenden Akademie der bildenden Künste in Wien statt – Michael Landau, Präsident der Caritas, eröffnet quasi als Hausherr und Toni Sauper, sicher einer der kreativsten Köpfe im österreichischen Tourismus, moderiert diese Veranstaltung, die nicht nur im Thema, sondern auch in der Inszenierung neue Wege geht. Melden Sie sich unter Tourismus@bmwfw.gv.at an; die Teilnahme ist kostenlos.