Euribor unter Null

Es war vor einigen Jahren kaum vorstellbar. Jetzt ist es tatsächlich eingetroffen: Der 3-Monats-Euribor – der Zinssatz zu dem Banken sich untereinander kurzfristiges Geld einräumen und ein wichtiger Indikator für viele Kreditverträge – ist erstmals unter Null gesunken. Kreditinstitute mussten somit offenbar etwas zahlen, um bei einem anderen Geld parken zu können.

Dabei ist derzeit nicht nur der Zinsindikator auf ein Niveau gesunken, das vor Jahren noch undenkbar war und Kreditinstitute dazu veranlasst hat, in ihre Kreditverträge neue Klauseln etwa dergestalt aufzunehmen, dass der Indikatorwert niemals als negativ sein könne. Auch die mit der Finanzkrise erstmals entstandenen Liquiditätsaufschläge für zehnjährige Laufzeiten sind von einem Niveau von jenseits der 200 auf erträgliche 50 Basispunkte zurückgegangen. Das hat einige Banken sogar zu Aussendungen, mit dem beinahe an einen Scherz erinnernden Inhalt veranlasst, dass sie niemals gedenken Zinsen für die Aufnahme von Krediten an ihre Kunden zu zahlen.

Scheinbar paradiesische Zustände also für Kreditnehmer und Investitionswillige und trotzdem ist die konjunkturelle Entwicklung in Österreich nach wie vor zaghaft. Unsicherheit über die künftigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen und trotz guter Auslastung nicht immer zufriedenstellende wirtschaftliche Ergebnisse mögen dafür verantwortlich sein.

Was sagen die Prognosen für die nächste Zukunft? Ein weiteres tiefes Zinsniveau und in der zweiten Jahreshälfte ein leichter Zinsanstieg wären sehr wahrscheinlich. Weiter harte Zeiten also für Sparer, die hoffentlich ihre Frustration damit abbauen, dass sie Geld für vermehrten Urlaub einsetzen.