Der Tourismus und die digitale Welt

In den letzten Jahrzehnten haben wir die permanente digitale Revolution erlebt. Sie ist aber noch lange nicht zu Ende. Aufreger wie der Umgang mit persönlichen Daten im Netz oder weltumspannende Cyberverbrechen machen uns die neue Welt aber auch unsere zunehmende Verletzlichkeit bewusst.

Der Tourismus gehört weltweit zu den Wirtschaftszweigen, der die digitalen Medien am häufigsten nutzt um seine Produkte anzubieten. Das hat letztendlich zu Homepages mit immer besseren Funktionalitäten geführt aber auch zu hohen Gebühren bei den weltweit operierenden Buchungs­plattformen und zu Werbebeiträgen bei Google & Co geführt. Die Preistransparenz wurde dabei soweit erhöht, dass es in den letzten Jahren der Hotellerie nicht gelungen ist, ihre Preise in dem Umfang anzuheben, wie es die Kostener­höhungen notwendig gemacht hätten.

Der Gast sucht seine Informationen nicht mehr nur in Zeitungen und Prospekten auch Reiseblogs helfen bei der Suche nach einem idealen nächsten Urlaub und Gäste tauschen ihre Urlaubserlebnisse und Kritik und Anerkennung in Social Media aus oder informieren sich auf den Facebook-Seiten der Hotels und sonstigen Anbieter.

Bewertungsplattformen haben zusätzlich das Leben schwer gemacht, weil bestehende oder vom Gast gefühlte Defizite einer weltweiten Community zugänglich gemacht werden und einen ständigen Druck zu Verbesserungen und Investitionen erzeugen.

Apps auf  Destinationsebene und in Skigebieten erleichtern die Orientierung und bieten aktuelle Informationen über Zustand der Pisten, Wetter und Tourenempfehlungen oder  die Speisekarte auf der nächstgelegenen Hütte.

Der Einsatz von Smartphones für Buchung, Routenführung bei Anreise und am Urlaubsort und bald auch zur Bezahlung bei Ausflugszielen und Maut wird Erleichterungen für den Gast aber auch die Notwendigkeit der Finanzierung der dafür erforderlichen Basiseinrichtungen für Tourismusorganisationen bringen.

Apropos Finanzierung: Bisher ist den KMUs die Börse versagt geblieben, weil sie mit ihren kleinteiligen Eigenkapitalbedürfnissen zu unbedeutend waren. Das Internet öffnet aber auch hier neue Chancen: Crowdfunding-Plattformen bieten sowohl die Möglichkeit für die Aufbringung von Kapital als auch die Chance Investoren auf  Dauer als Gäste zu gewinnen. Finanzierungsplattformen erweitern den Kreis möglicher Finanzpartner zusätzlich.

Vor allem in den Städten ist auch eine neue Konkurrenz entstanden, die ohne Internet kaum so an Bedeutung hätte gewinnen können. Airbnb & Co nutzen elektronische Medien um Gäste anzusprechen, Erfahrungen über die Qualität der Unterkünfte auszutauschen, zu buchen und das Geschäft abzuwickeln. Ein Zuwachs der auf diese Weise angebotenen privaten Unterkünfte in Wien um 140 % innerhalb eines Jahres zeigt eine Konkurrenz, die mit großem Tempo zunimmt – nicht zuletzt auch deshalb, weil Auflagen und steuerliche Vorschriften mehr als großzügig gehandhabt werden.

Die bisherige Bilanz ist also sehr durchwachsen. Nachdem bisher Menschen vernetzt wurden, kommt in Zukunft das „Internet der Dinge“, wo sich die Heizung für die Ferienwohnung fernsteuern lässt oder die Zahnbürste die Dauer des Putzens handygesteuert vorgibt.

Eine neue Klasse von Gästen ist bereits sichtbar, die sich in ihrem Leben auf die elektronischen Hilfsmittel stützt: Alles wird vermessen und Freunden in-real-time gepostet, Abnehmen geht nur mehr mit einem digitalen Helferlein, wo die Waage über Bluetooth das Tagesgewicht dem Smartphone mitteilt, das dann die erlaubte Kalorienzufuhr festlegt. Auch Eierkochen findet nicht mehr mit der gewohnten Uhr sondern mit dem Smartphone und der adäquaten App statt, wo neben der Größe des Eis und dessen Ausgangstemperatur auch die Höhenlage berücksichtigt werden.

Auch für die Tourismusunternehmer wird es erforderlich sein, sich auf weitere Veränderungen einzustellen. Hotellerie und Gastronomie haben die Chancen, die das Internet geboten hat, bisher gut genutzt. Die digitale Revolution ist noch lange nicht zu Ende und es lohnt  sich den Möglichkeiten und Chancen aber auch den damit verbundenen Herausforderungen dauernde Aufmerksamkeit zu schenken.