Schnee von morgen

Zurzeit sind Österreichs Pisten wohl weiß anzusehen aber die Schneehöhe hat sich keineswegs den Erwartungen angepasst, die für Mitte Jänner angemessen wären. Der Beitrag des ORF von heute, der auch einige Änderungen für den alpinen Wintersport erwarten lässt, spricht von einer Beschleunigung des Klimawandels.

Wenn es mit dem Schnee nicht so richtig klappt, ist man üblicherweise mit Beschneiungsanlagen zur Stelle, um die Pannen der Natur auszubessern. An der Angemessenheit dieser Maßnahme scheiden sich jedoch des Öfteren die Geister. Ist es richtig mit einem enormen Einsatz an Kapital, Wasser und Energie gegen eine Entwicklung anzukämpfen, die ohnedies nicht aufzuhalten ist? Sind nicht ebendiese Beschneiungs­anlagen ein weiterer Beitrag zu ungehindertem Ressourcenverbrauch?

Für eine Beantwortung der Frage nach der wirtschaftlichen Sinnhaftigkeit muss man wohl etwas weiter ausholen. Mit mehr als 50 Mio. Skierdays ist Österreich (nach den USA und Frankreich) im Bereich des alpinen Skifahrens eine Weltmacht und hat eine Vorrang­stellung inne, die wohl in wenigen anderen Wirtschaftsbereichen gegeben ist. Die oft als Vorbild dargestellte Schweiz schafft es beispielsweise gerade einmal auf 25 Mio. Skierdays. Ihre Liftunternehmen sind in wirtschaftlicher Hinsicht bei weitem nicht so konkurrenzfähig und im Hinblick auf die Schneesicherheit der Pisten liegen die Schweizer mit deutlichem Abstand zurück. Damit muss es wohl klares Ziel sein, die international konkurrenzfähigen und auch unter möglichen Erwärmungsgesichtspunkten chancenreichen Skigebiete zu erhalten und ihr vorhandenes Potential abzusichern oder weiter zu verbessern. Dazu gehört auch eine Absicherung der Saison durch Beschneiungsanlagen, denn der Schneefall kommt nicht immer auf Befehl.

Anders sieht es natürlich für jene Gebiete aus, die kaum mehr auf eine mehrmonatige verlässliche Schneedecke vertrauen können und die daher alpines Skifahren nur als Ergänzungsangebot für eine Wintersaison anbieten können, die von anderen Faktoren getragen ist. In diesen Fällen macht es wenig Sinn, in Beschneiungsanlagen zu investieren und künstlich einen Winter schaffen zu wollen, der auf lange Sicht diese Investitionen nicht rechtfertigt.

So ein Ausstieg aus dem Winter ist nicht einfach umzusetzen, weil alle Beteiligten gefordert sind, ausgetretene Wege zu verlassen. Es gibt für die einzelnen Orte und Destinationen auch keine Patentlösungen sondern in jedem Einzelfall sind jeweils individuelle Lösungen zu erarbeiten. Das Geld ist jedenfalls besser angelegt, wenn es für Alternativen eingesetzt wird. Wirtschaftliche Fehlinvestitionen nützen keinem und ebenso wenig viel Geld in den Schnee zu setzen.