Plan B für den Winter

Die heurige Wintersaison ist etwas zäh angelaufen, aber jetzt kurz nach Weihnachten ist das ersehnte Weiß doch gekommen. Viele Skigebiete mussten ihren Saisonstart wegen Schneemangels verschieben. Treten langfristige Klimaprognosen ein, werden sich Wintersportorte früher oder später, vor allem jene in niedrigeren Lagen, einen Plan B zurechtlegen müssen.

Das Skifahren ist immer noch der Hauptinhalt des Winter-Geschäfts. Laut Daten der Sparte Tourismus und Freizeitwirtschaft der Wirtschaftskammer wird der klassische Winterurlaub von mehr als 50 % der Wintergäste gesucht. Für die Mehrheit der Urlauber ist somit ein Winterurlaub ohne Schnee kein Winterurlaub. Für Skigebiete in niedrigeren Lagen ist dieses Thema längst zur Existenzfrage geworden.

Aber auch für Skigebiete, die Pisten deutlich jenseits einer Seehöhe von 1.500 m anbieten können, ist Schneesicherheit und eine Abfahrt bis ins Tal nicht immer gegeben. Investitionen in Beschneiungsanlagen haben nicht ohne Grund in den vergangenen Jahren wieder kräftig zugenommen, obwohl beträchtliche Investitions- und Betriebskosten damit verbunden sind. Allerdings sind in den letzten Jahren kaum mehr Neuinvestitionen in Beschneiungsanlagen entstanden, sondern bestehende Anlagen wurden erweitert, modernisiert oder mit neuen, sparsameren Technologien ausgestattet. Trotzdem verbraucht etwa das Bundesland Tirol so viel Wasser für Beschneiungen im Winter wie die größten vier Städte während eines Jahres.

Aber trotz neuer Technik, die den Stromverbrauch erheblich reduzieren kann und der Anlage von Speicherteichen, die zu einer Verminderung der Wasserentnahme aus Fließgewässern führt und auch den Bedarf an Pumpleistung mindert sind die Kosten enorm und belasten die Liftunternehmen mit Kosten in Millionen-Höhe. In dem manchmal als hoch empfundenen Preis für eine Tageskarte können die Kosten der Schneeerzeugung durchaus mit sieben Euro durchschlagen.

Seit dem Stefanitag herrschen in Österreich perfekte Verhältnisse für Beschneiungsanlagen. Es ist ausreichend kalt und die Schneekanonen können dazu beitragen perfekte Pisten zu schaffen. Österreich kann wieder daran gehen, seine Vormachtstellung im Wintersport abzusichern und auszubauen, wird doch der drittgrößte Marktanteil an Skierdays weltweit von mehr als 50 Millionen jährlich innerhalb der Landesgrenzen erbracht. Dort wo große, hochgelegene und attraktive Skigebiete mit ausreichend Schneesicherheit punkten können, sind auch die langfristigen Chancen für den alpinen Skilauf intakt.

Dort wo jedoch keine verlässliche Schneedecke über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht, ist es geboten über Alternativen nachzudenken. Zum Plan B gehören dann nicht in erster Linie Schneekanonen, sondern vor allem auch eine strategisch breitere Aufstellung. Das wetterunabhängige Angebot muss ausgebaut und die Anstrengung in Richtung Ganzjahrestourismus verstärkt werden.

Detail am Rande: Den weitaus größten Zuwachs bei der Zahl der Gästebetten gab es in der vergangenen Wintersaison in den Bundesländern Wien und Burgenland, wo ja Skifahren nicht ganz oben in der Bedürfnisskala der Gäste steht. Auch die Zahl der Übernachtungen hat dort zugenommen. Möglicherweise profitiert also längerfristig der Städte- und Wellness­tourismus von schneearmen Wintern. Die burgenländischen und steirischen Thermen waren in der letzten Saison jedenfalls gut besucht.