Stresstest für Hotelbetriebe

Große und systemrelevante Banken müssen sich regelmäßig einem Belastungstest unterziehen, um ihre Stabilität auch unter Stressbedingungen abschätzen zu können. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, wie denn wohl der durchschnittliche Hotelbetrieb mit unerwarteten Belastungen umgehen kann.

Ein Zinsschock von zwei Prozent ist eine übliche und mittelfristig auch durchaus nicht von der Hand zu weisende Mehrbelastung aus der Finanzierung, die ja nach wie vor sehr fremdkapitallastig ist.

3-Sterne-Hotellerie 4/5-Sterne-Hotellerie
Aktiva                             1.364                             4.028
Fremdkapital                             1.187                             3.585
Einnahmen                                867                             1.978
GOP                                191                                435
Zinsen                                  35                                  99
Cashflow                                156                                336
Entschuldungsdauer in Jahren                                     8                                   11
   
Zinsen bei Zinsschock 2 %                                  58                                171
Entschuldungsdauer in Jahren                                     9                                   14 
   

Nimmt man als Testvariable die sehr übliche Kennzahl „Entschuldungsdauer“, die sich aus Fremdkapital gebrochen durch Cashflow errechnet, so sind in der derzeitigen Zinsumgebung sowohl die Drei- als auch die Vier- und Fünf-Sterne-Unternehmen mit einer Entschuldungsdauer von 8 bzw. 11 Jahren im „grünen Bereich“.

Ein Zinsanstieg von vergleichsweise bescheidenen 2 % würde bewirken, dass bei den Hotels der Drei-Sterne-Kategorie die Entschuldungsdauer auf neun Jahre ansteigt. Bei den Hotels der Vier- bzw. Fünf-Sterne-Kategorie liegt die Entschuldungsdauer nur mehr knapp unter der vom Reorganisationsgesetz geforderten Kennzahlengrenze von 15 Jahren. Knapp weniger als der Hälfte der Unternehmen könnte die Grenze nicht mehr einhalten und es würden voraussichtlich auch mehr oder weniger ausgeprägte Zahlungsprobleme auftreten.

Damit wird deutlich, dass es geboten ist, die derzeit günstige Zinslandschaft für weitere Konsolidierung zu nutzen und für künftige Finanzierungen auch der Frage des möglichen Zinsanstieges mehr Beachtung zu schenken (etwa durch Abschluss eines Fixzins- oder ERP-Kredites).