Im Zinsparadies

In der vergangenen Woche wurde der Leitzins erneut gesenkt und mit einem aktuellen 3-Monats-Euribor von deutlich unter einem Prozent sind Kreditnehmer trotz der notwendigen Aufschläge über weite Strecken mit einem Zinssatz verwöhnt, der in der Vergangenheit nicht einmal als Förderzinsatz denkbar war.

Dementsprechend sind Anleger zunehmend deprimiert, weil sie nach Abzug von Kapitalertragsteuer und Inflation mit den auf sichere Anlagen gebotenen Zinsen sowohl beim Sparbuch als auch bei Anleihen längst ins Minus gerutscht sind.

Für Schuldner sind das paradiesische Zeiten, die niedrige Kreditzinssätze wohl noch für einige Jahre erwarten lassen. Damit können die knappen Erträge, die in letzter Zeit zu verzeichnen waren, zumindest teilweise kompensiert werden und auch die hoch verschuldeten Staaten haben es erheblich leichter mit ihren Verbindlichkeiten umzugehen.

Da Anleger zunehmend nach neuen Geldveranlagungsformen Ausschau halten, die Sicherheit bieten und eine Rendite erwarten lassen, die über der Inflationsrate liegt, sind plötzlich neue Formen der Gewerbe- und Immobilienfinanzierung verfügbar, die vor einigen Jahren nicht einmal dem Namen nach bekannt oder zumindest wenig üblich waren (Crowdfunding, Buy-to-let, Immobilienfonds).

Dabei liegen die Verzinsungserwartungen auch für eigenkapitalnahe Produkte in einem überschaubaren Bereich. Heimische Immobilienfonds haben im Durchschnitt während der letzten fünf Jahre zwischen Null und knapp vier Prozent an Renditen erwirtschaftet. Das wäre eine Höhe, die auch für die heimische Ferienhotellerie erreichbar wäre.

Was derzeit noch fehlt sind geeignete Instrumente um Anbieter und Nachfrager auf breiter Front zusammenzubringen. Die Rahmenbedingungen um Anlegerfrust und Investitionslust unter einen Hut zu bringen sind jedenfalls günstig wie selten zuvor.