Spielberg – Tourismus mit Motorenlärm geweckt

Wenn es um zugkräftige touristische Destinationen in Österreich geht, wird das eher verschlafene Spielberg in der Steiermark kaum jemals an erster Stelle genannt. Trotzdem gibt es einige Tage im Jahr, wo weit und breit kein Zimmer frei ist und an die 200.000 Tagesbesucher erwartet werden.

In Spielberg hat sich der seltene Glücksfall ergeben, dass der in die Jahre gekommene Österreich-Ring und perfekt zur Image-Politur eines Getränkeherstellers passt und dieser auch über das nötige Budget verfügt, um wirklich klotzen zu können.

Da wurde nicht nur der Österreich-Ring renoviert und natürlich in Red-Bull-Ring umbenannt, großzügige Räumlichkeiten für Presse und Publikum geschaffen, sondern auch gleich Hotels errichtet oder bestehende Hotelbetriebe gekauft und renoviert.  . . . und wenn man schon dabei ist, wird auch ein Wasserturm zu einer Skybar umgemodelt und ein kleines, feines Gestüt eingerichtet, wo sich einige Trakehner sehr wohl fühlen – schließlich vertragen sich doch Pferde immer mit Pferdestärken.

Was haben diese mehrere hundert Millionen Euro schweren Investitionen an messbarer touristischer Wirkung erzielt? In Spielberg wurden 2010 noch rd. 6.500 Nächtigungen erzielt und im vergangenen Jahr waren es schon mehr als 20.000. Angesichts des insgesamt noch sehr überschaubaren Bettenangebotes der näheren Umgebung braucht man da den Rechenstift gar weiter nicht zu spitzen, um der Wirtschaftlichkeit auf den Zahn zu fühlen. Es steht aber außer Zweifel, dass abgesehen vom Nutzen für die Marke Red-Bull vor allem die Aufbruchsstimmung wertvoll ist, die in der nach der Verstaatlichtenkrise dahinkränkelnden Industrieregion wieder festgestellt werden kann.