Touristische Infrastruktur – Kommentar aus anderer Sicht

Der Kommentar von Peter Haimayer  bereichert die Diskussion um die touristische Infrastruktur:

Zunächst eine Wette: Wenn es im zu Ende gehenden Winter ausreichend Schnee gegeben hätte, dann hätte Franz Hartl diesen Artikel wohl nicht, jedenfalls aber in anderer Form geschrieben! Doch Spaß beiseite.

Unbestreitbare Tatsache ist, dass die äußeren Verhältnisse (Schneelage, Wetter) eine entscheidende Rolle bei der Frequentierung der Wintersportgebiete spielen. Das gilt nicht nur für die Skipisten, sondern in abgeschwächtem Maße auch für Langlaufen, Schneeschuhwandern oder Rodeln. Das ist u.a. daran zu erkennen, dass bei guter Schneelage und Prachtwetter selbst bei jenen kleinen und mittleren Skigebieten kein Parkplatz mehr zu ergattern ist, deren unrühmliches Ende schon lange prognostiziert wird. Ein weiterer Beleg sind die Meldungen im Verkehrsfunk an solchen Tagen.

Dort wo es im heurigen Winter Schnee gehabt hat, nämlich im Süden, sind die Leute auch hingefahren. Dazu zwei Beispiele. Erster Fall: Ein guter Bekannter, der gerne Ski läuft und bislang Osttirol nur von Hörensagen kannte, musste in diesem Winter unbedingt dorthin, weil es eben Schnee hatte. Für Osttirol wird auch eine positive Nächtigungsentwicklung prognostiziert. Zweiter Fall: In meinem Stammrestaurant in Innsbruck hörte ich die Skitourengeher und Pistenskifahrer den ganzen Winter über praktisch nur von Südtirol und ihren dortigen Unternehmungen erzählen sowie vom Schnee, den es dort in Mengen gibt.

Was die Investitionen in den Wintersportgebieten anbelangt, so wurde in den vergangen Jahren in der Tat enorm viel investiert, sodass wohl allenthalben eine gewisse Sättigung eingetreten ist. Diese Sättigung betrifft aber nicht nur die Zahl und die Qualität der Anlagen, sondern wohl auch die Budgets so mancher Seilbahnbetreiber, sind die Investitionen doch auch einmal zurückzuzahlen. Somit ist es nicht verwunderlich, dass selbst in Top-Destinationen zu vernehmen ist, dass eine Konsolidierung gut tun könnte.

Wintererlebnisse abseits der Skipiste wie Rodelpisten, Skitourenstrecken, Schneeschuhpfade, Winterwanderwege sind zwar kostengünstiger zu erstellen, brauchen aber ebenfalls Schnee, der ja von irgendwo her kommen muss. Dazu ein aktuelles Beispiel: Die Innsbrucker Grünen haben in diesen Tagen vorgeschlagen, den Skibetrieb am Olympiaberg Patscherkofel aufzulassen und den Patscherkofel als Skitourenberg zu positionieren. Was sie dabei übersehen haben: Wesentliche Teile jener Flächen, auf denen die Skitourengeher aufsteigen und abfahren sind technisch beschneit. Fazit: In schneearmen Wintern ohne technische Beschneiung kein Skitourenberg.

Dass es auch ohne bzw. mit nur wenigen Skiläufern geht zeigt ein anderes Beispiel aus Innsbruck. Die Nordkettenbahn setzt zunehmend auf die Erlebnisschiene, wofür dort beste Voraussetzungen bestehen. Diese Positionierung hat mehrere Gründe, auf die einzugehen hier zu weit führen würde. Ganz entscheidend für den Erfolg (heuer mit wenig über überhaupt keinem Schnee die beste Wintersaison seit Bestehen der neuen Gondelbahn) sind folgende Faktoren: Die Seegrube auf 1.900 m ist vom Stadtzentrum aus in einer halben Stunde erreichbar und im Umfeld der Talstation befindet sich ein großes Nachfragepotenzial: 120.000 Einwohner, 30.000 Studierende allein an den beiden Universitäten, 7.000 Gästebetten, zehntausende Tagestouristen auch im Winter, dazu Kundebindung durch mehrere attraktive Card-Systeme.

Dennoch, die Aufforderung von Franz Hartl an die Destinationen kann nicht genug betont werden. Es gilt, die „kurze Schrecksekunde“ zu nutzen, um über die Optimierung und Weiterentwicklung des touristischen Angebots nachzudenken. Und ebenso wichtig: Nach dem Denken müssen die richtigen Taten folgen!