Zur Innovation gezwungen

Auf den ersten Blick ist die Welt im Tourismus ziemlich in Ordnung: Österreich hat mit mehr als 130 Mio. einen neuen Rekord an Nächtigungen verzeichnen können und verglichen mit vielen anderen Branchen konnte die Wirtschaftskrise gut gemeistert werden.

Bei etwas näherer Betrachtung sind doch diverse Problemfelder ersichtlich: Da glaubt man dem Diktat der Reisebüros entkommen zu sein, deren Vermittlungsgebühren ziemlich in die Erträge gegangen sind, schon ist man dem Obolus ausgesetzt, der von Online-Plattformen verlangt wird. Klassische Wege der Buchung sind zunehmend in den Hintergrund getreten. Personalknappheit, ausgeprägte Saisonalität, Betriebsgrößendefizite, Bedarf nach immer größeren Werbeanstrengungen und ein enormer Wettbewerbsdruck resultierend aus der immer globalisierter und transparenter werdenden Welt machen zunehmend das Leben schwer.

Dabei hat man zumindest in der langfristigen Betrachtung eine erstaunliche Wandlungs­fähigkeit gezeigt: Heute ist der Tourismus jener Wirtschaftszweig, der das Internet im Vertrieb am ausgiebigsten nutzt. Die Bereinigung der Unzahl von Tourismusverbänden wurde massiv vorangetrieben und damit die Schlagkraft auf den Märkten verbessert. Um die Kleinstrukturiertheit zu umgehen, hat man erstaunliche Bereitschaft zu Kooperationen gezeigt. Allein durch die von der Tourismusbank im Auftrag des BMWFJ durchgeführte TOP-Tourismus-Kooperationsförderung wurden mehr als 60 % der gewerblichen Betten erfasst. So stellt sich vor allem die Hotellerie als ein über weite Strecken moderner Wirtschaftszweig dar.

Das Stichwort Innovation ist aus Sicht von Experten maßgeblich für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zukunft. Auslöser für Innovationen im Tourismus waren oft technologische Neuerungen (Internet, E-Mobilität). Sie wurden rasch aufgegriffen und zum eigenen Nutzen oder zur Schaffung neuer Erlebnis- und Mobilitätsangebote umgemünzt. Gerade der Erlebnis- und Kundennutzen sollte der zentrale Ausgangspunkt für touristische Innovationen sein.

Einige Beispiele geben einen Überblick über die Breite der Möglichkeiten:

Destinationsprofile Gesundheitsregion Waldviertel, Thalassoinsel Norderney, Steirische Thermenregion
Produkte auf Destinationsebene Weitwanderweg Alpe Adria, Steirische Alpentour, Mariazeller Advent, Premium Wanderdestination Bad Kleinkirchheim, Natursprünge Brandnertal, Charming Baden, Tiroler Adlerweg, Kärntner Badehaus
Produkte auf einzelbetrieblicher Ebene Hotel in Holzbauweise (Naturhotel Waldklause, Hotel Forsthofalm), Pixel-Hotel, Pop-up-Hotel, Null-Energie-Hotel, Lifetime-Hotels, Hotels 25 Hours, Hotel Daniel, Bergbahninnovationen für den Sommer (Hexenwasser in Söll, Dachstein Eispalast oder „Stiege ins Nichts“), alpine Wellness mit Alpenkräutern und Elementen der Volksheilkunde
Trends e-Mobilität, Gesundheit, Tourismus für Alle
Instrumente, Prozesse Marketingkooperationen (Wanderhotels, Mountainbike-Hotels, Kinderhotels, Kongressinitiative Oberösterreich), Marketingkooperation Tirol mit BMW
Onlinetechnologie, Marketing Kärnten App, Smart-Guide-Vienna, Tirolbooking.com, Social Media und virale Standortkampagnen, attraktive Homepages

 

Auf Ebene der Destinationen gelingt umfassende Innovation im Bereich der touristischen Wertschöpfungskette nur dann, wenn überbetriebliche Kooperation und gemeinschaftliche Finanzierung die Defizite kleinstrukturierter und heterogener Akteure ausgleichen.

Auf einzelbetrieblicher Ebene ist Innovation derzeit in den wenigsten Fällen das Ergebnis eines geplanten und gesteuerten Prozesses sondern oft zufällig entstanden. Auch hier ist oft nicht der Mangel an Ideen maßgeblich sondern die Kraft Innovationen umzusetzen oder zu finanzieren.

Das Thema der Innovationen ist gerade in letzter Zeit von Bund und auch den Ländern aufgegriffen worden und in den Mittelpunkt von Unterstützungsaktivitäten gelangt. Dadurch wird auch die öffentliche Hand künftig einen wesentlichen Anstoß geben und erforderliche Innovationen deutlicher als in der Vergangenheit unterstützen.