Multi-Ownership als Finanzierungsmodell

Obwohl es immer wieder in Zweifel gezogen wird, hat doch der Tourismus einiges an Innovationen zu bieten. Wie kaum eine andere Branche hat er sich z. B. das Internet im Online-Vertrieb zunutze gemacht. Im Bereich der Finanzierung hingegen ist wenig Neues entstanden. Über weite Strecken blieb es bei der herkömmlichen Fremdfinanzierung über die Banken. Eine Börse für KMUs ist nie zustande gekommen und das klassische Familienunternehmen hat auch wenig Bedürfnis nach eigenkapitalähnlichen Instrumenten gezeigt obwohl einerseits anlagebereites Kapital immer vorhanden war und andererseits eine Verbesserung der Finanzierungsstruktur mit Eigen- oder Quasi-Eigenkapital durchaus empfehlenswert gewesen wäre.

Time-Sharing war in Österreich von jeher wenig erfolgreich, entsprach doch der Kauf von temporären Nutzungsrechten nicht dem in Europa gängigen Wunsch nach Volleigentum. Multi-Ownership-Modelle stellen sich in letzter Zeit allerdings zunehmend als Vehikel heraus, um für touristische Großprojekte Anlegergeld locker zu machen. Echtes Wohnungs­eigentum oder die anteilige Beteiligung an einem bewirtschafteten Ferienobjekt kann durch die mögliche Stützung des Gesamtobjektes „Hotel und Wohnen“ den immer anspruchsvoller und damit teurer werdenden Hotelimmobilien zur gewünschten Rentabilität und damit Kapitalaufbringung verhelfen.

Zurzeit spricht einiges für den Rückenwind, den diese Projekte erfahren:

  • Die Finanzierung wird – vor allem im langfristigen Bereich – schwieriger und die Banken legen Wert auf ein gerüttelt Maß an Eigen- oder Risikokapital.
  • Das Beinahe-Verbot der Errichtung von Zweitwohnsitzen in der Schweiz beflügelt die Nachfrage in Österreich.
  • Die Finanzkrise hat einige traditionelle Anlageformen obsolet gemacht, sodass die Veranlagung in Grund und Boden wieder an Attraktivität gewinnt.

Einige kleine Hacken sind allerdings sichtbar: Nur an Top-Standorten finden sich ausreichend Anleger. Will das Projekt auf Dauer erfolgreich sein, muss es von vornherein so konzipiert werden, dass die höchst unterschiedlichen Bedürfnisse von Wohnungs­eigentümern und Hotelgästen friktionsfrei erfüllt werden können. Diese Anforderung lässt sich nur bei umfangreichen Umbauvorhaben oder bei Neubauten verwirklichen.

Aus Sicht der Destinationen ist es überdies wünschenswert, dass die Immobilien in der durch den Eigentümer nicht genutzten Zeit uneingeschränkt zur Vermietung zur Verfügung stehen. Denn eines wird nicht gebraucht: dass dem „warmen Finanzierungs-Regen“ eine Flut „kalter Betten“ folgt.