Tourismusbank stemmt sich gegen die Kreditklemme

Die Bedeutung geförderter Finanzierungen wächst

Basel II hat die Banken dazu verpflichtet, ihre Kreditnehmer einem Ratingprozess zu unterziehen. Verglichen mit der Gesamtwirtschaft schneiden dabei Tourismusbetriebe schlechter ab – insbesondere die traditionell niedrige Eigenkapitalausstattung, die in den gängigen Ratingmodellen besonders stark gewichtet wird, ist der Grund dafür. Schlechtes Rating heißt aber, dass Banken ihrerseits bei Kreditvergabe höhere Eigenkapitalunterlegungen einstellen müssen. Da Eigenkapital auch bei Banken knapp ist, stehen Kredite an Tourismusbetriebe nicht an der obersten Stelle der Beliebtheitsskala der Kommerzbanken. Die Vorbereitungen auf Basel III verschärfen diese Situation noch, weil – sehr vereinfacht gesagt – regulatorische Vorschriften dazu führen, dass Banken noch mehr Eigenkapital brauchen bzw. bisher als Eigenkapital anerkannte  Vermögenswerte plötzlich ihre Anrechenbarkeit auf die Kernkapitalquote der Banken verloren haben.

Und noch ein Spezifikum der Tourismusfinanzierung: Unsere Hotels brauchen langfristige Kreditlinien. Die generell anlageintensiven Investitionen der Tourismusbranche können nur über Darlehen mit 10-jährigen, 12-jährigen  oder noch längeren Laufzeiten fristenkonform finanziert werden. Genau diese langfristigen Gelder sind aber derzeit knapp bzw. nur zu Zinssätzen zu haben, die durch hohe Fristen-Aufschläge  sehr teuer sind.

Die Konsequenz ist eine sich bereits deutlich abzeichnende Kreditklemme in der Tourismusfinanzierung – es wird für Tourismusbetriebe einfach schwieriger, Mittel für ihren Investitionsbedarf zu bekommen. Und genau hier setzt die Förderpolitik des Bundes über die Tourismusbank an und stellt der Branche zwei wesentliche Instrumente zur Verfügung: Einerseits sind es die Haftungen der ÖHT (hinter der Rückhaftungen des Bundes stehen), die nicht nur wesentliche Teile des Finanzierungsrisiko tragen, sondern die vor allem auch das Basel-III-Problem der Eigenkapitalunterlegung lösen. Für Kredite, die mit einer ÖHT-Haftung ausgestattet sind, fällt nämlich die Unterlegungspflicht. Während konventionelle Kreditvergabe also durch die Höhe des bankseitig vorhandenen Eigenkapitals limitiert ist, müssen Banken für ÖHT-behaftete Tourismuskredite kein Eigenkapital vorrätig halten!

Und zum Anderen kann die Tourismusbank durch die Zinsenzuschüsse der TOP-Tourismusaktion sehr zinsgünstige, langfristige und vor allem zinsstabile Kredite zur Verfügung stellen. Ein Zahlenbeispiel dazu: Für ein Hotelunternehmen mittlerer Bonität kostet ein Kredit der Tourismusbank bei einer Laufzeit von 10 Jahren gerade einmal 0,2% Zinsen pro Jahr (in Worten: Nullkommazwei Prozent!!). Für Finanzierungs-Insider:  Das entspricht knapp dem 3-Monats-Euribor ohne Aufschlag!

Berücksichtigt man auch noch die Kosten für die Besicherung durch Bundeshaftung liegen die gesamten Finanzierungskosten aktuell bei nur knapp mehr als 1,2% Jahreszins – das entspricht dem 3-Monats-Euribor plus 100 Basispunkte – und wie gesagt, da sind die Kosten für die Kreditbesicherung bereits enthalten!

Diese Konditionen und Rahmenbedingungen sind wohl auch der Grund, warum der Anteil der geförderten Finanzierungen in den Projekten deutlich steigt. Hatten gefördert Kredite in den Projektfinanzierungen in der Zeit vor der Kapitalmarktkrise und vor den „Schatten von Basel III“ noch einen Anteil von 42,4% stieg der 2012 auf 47,4% und haben geförderte Finanzierungsbestandteile konventionelle Bankkredite abgelöst – deren Anteil sank seit 2007 von 33,1% auf 30,9%.

Zur Erhaltung eines funktionierenden Kapitalmarktes für Tourismusfinanzierungen ist die Tourismusbank mit deren Förderinstrumenten also ein weiter an Bedeutung gewinnender Faktor.

=> Grafik Finanzstruktur 2007                                    => Grafik Finanzstruktur 2012