Österreichs Seen – nur stille Wasser

Der heurige Sommer begann ziemlich katastrophal mit Dauerregen und wird mit einem Plus gegenüber dem ohnedies guten Vorjahr enden. Also Grund zum Jubeln? Bei näherer Betrachtung der Ergebnisse der Statistik Austria ist nur verhaltene Freude angebracht. Die Seen als klassischer Inhalt für Sommertourismus verlieren kontinuierlich an Attraktivität – in den letzten zehn Jahren jährlich um immerhin ein Prozent.

Rund um attraktive Seendestinationen besteht die Bautätigkeit vor allem in der Errichtung von Zweitwohnsitzen für betuchte Ausländer und die Wohnungen an den Seen des Salzkammerguts sind in der Hand der Städter aus der Umgebung. Gut geführte und wirtschaftlich erfolgreiche Hotels sind in den Seengebieten Mangelware und die Erhebungen der Tourismusbank hat für das Jahr 2012 ergeben, dass nur 3 % der Investitionen in Österreichs Tourismus in Destinationen getätigt werden, die ihren Schwerpunkt in der Sommersaison haben. Der Erfolg der Sommersaison ist also in erster Linie auf eine Renaissance des Berg- und Aktivurlaubes zurückzuführen. Davon konnte sich auch jeder ein Bild machen, der heuer Urlaubshöhepunkte auf Gipfeln suchte.

Der Wörthersee, der mit etwa 1,7 Mio. Nächtigungen die Spitzenposition unter Österreichs Seen hält, ist auch symptomatisch für die verfahrene Situation. Die kurze Saison erlaubt für Betriebe, die abgesehen vom See keine eigenständigen Attraktivitäten aufweisen, keine wirtschaftliche Führung und die Preise sind ohnehin aufgrund der Konkurrenz von südlichen Sonnenländern zu niedrig. Während allerdings Österreichs Städte oder Südtirols Dörfer im Herbst ausgebucht sind und auch Wanderdestinationen noch zahlreiche Urlauber aufweisen, sind Anfang September an den Seen längst die ersten Betriebe geschlossen und man beginnt sich von den Anstrengungen der Saison zu erholen. Eine kurze Saison, die im Wesentlichen auf zwei gut gebuchten Monaten fußt, erlaubt jedoch keine wirtschaftliche Führung eines Betriebes und ermöglicht schon gar keine Investitionen in die Zukunft.

Gute Konzepte für eine zweite Saison sind rar und auch schwer zu verwirklichen, wenn nicht die gesamte Destination eingebunden ist. Genau dort liegen auch die Schwierigkeiten, weil es unbedingt gelingen muss, die wesentlichen Partner ins Boot zu holen. Ein beabsichtigter Umschwung muss an vielen Ecken ansetzen: Das beginnt vor allem beim Destinationsmanagement und der notwendigen Entwicklung von allwettertauglichen Produkten und endet bei der Flächenwidmung, die mit der Zunahme der Bautätigkeit für Zweitwohnsitzprojekte die touristische Entwicklung behindert.

Was jedoch zu allererst benötigt wird, sind aufregende neue Ideen. Die demnächst stattfindende Vergabe der Förderungsmittel für Leuchtturmprojekte ist eine wunderbare Gelegenheit sich dafür Finanzierungsmittel zu holen.

PS.: Mehr Informationen zu diesem Thema:

http://www.bmwfj.gv.at/Tourismus/TourismusstudienUndPublikationen/Documents/Erfolgsfaktoren%20f%C3%BCr%20den%20T%20in%20den%20%C3%B6%20Seenregionen_KF_mit%20Deckblatt.pdf

http://www.monte-mare.de/de/tegernsee.html

http://www.wolfgangseer-advent.at/