Tourismus auf Konsolidierungspfad

Kräne und Betonmischer gehörten über Jahrzehnte zum Erscheinungsbild von Tourismus­gemeinden. In der Nebensaison kehrte keineswegs Ruhe ein. Sobald die Gäste ausgeruht und braungebrannt an ihre Bürosessel zurückgekehrt waren, kam der unweigerliche Baulärm, der ein lebhaftes Zeichen dafür war, dass das verdiente Geld gleich wieder seinen Weg in den Wirtschaftskreislauf gefunden hatte.

Verlässlich war die Investitionstätigkeit in der Tourismuswirtschaft aktiver als in der Gesamtwirtschaft (gemessen an der Veränderung der Verschuldung lt. Statistik der OeNB). So hatte sich auch Hotellerie und Gastronomie bis Mitte 2012 den Ruf als verlässliche Konjunkturlokomotive redlich verdient. Ab Mitte des vergangenen Jahres jedoch bremste sich die Investitionsfreude deutlich ein und selbst niedrige Zinsen konnten keine Investitionslaune erzeugen. Die betrieblichen Erträge wurden dazu genutzt, Verbindlichkeiten abzubauen und die Betriebe zu konsolidieren. So meldet auch die halbjährliche Insolvenzstatistik 2013 einen Rückgang der gerichtlichen Schuldenbereinigungs­verfahren in Gastronomie und Hotellerie um mehr als 2 %.

Dieses Phänomen ist allerdings in allen Branchen zu beobachten: Rückgang der Insolvenzen um 8 % bei den Unternehmen; Wachstum der Verbindlichkeiten bei allen Unternehmen gegenüber Ende 2012 matte 0,1 %.

Ähnliches erlebt zurzeit auch Europa: Die Banken in der Euro-Zone haben ihre Kredite an Firmen und Privathaushalte weiter zurückgefahren. Die Summe schrumpfte im Juni um 1,6 (Mai: 1,1) Prozent zum Vorjahresmonat, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) mit.

Im Vergleich dazu wurden immerhin fast 2 % der Schulden der Gastronomie und Hotellerie abgebaut und damit wird erstmals seit langer Zeit eine größere Investitionszurückhaltung an den Tag gelegt als in der Gesamtwirtschaft. Die Anträge bei Krediten über EUR 1 Mio. bei der Tourismusbank sind gar um mehr als 30 % zurückgegangen. Dabei ist allerdings die Nachfrage nach Kleinkrediten sprunghaft gestiegen d.h. dass notwendige „Reparaturinvestitionen“ vorgenommen werden aber derzeit der Mut für große strategische Veränderungen fehlt.

Als Hauptgrund orten Wirtschaftsfachleute die mit Basel III gestiegene Zögerlichkeit der Banken in der Vergabe von Neukrediten, weil sie gezwungen sind, die höheren Eigenmittelanforderungen zu erreichen. Wenn die angepeilten Kennzahlen nicht durch Zufuhr von frischem Eigenkapital von außen erlangt werden können, bleibt nur der Weg über Bilanzsummenkonsolidierung d.h. rigorose Zurückhaltung bei der Neukreditvergabe.

Die trotz guter Nachfrage wenig erfreulichen wirtschaftlichen Ergebnisse der Unternehmen werden auch ihren Beitrag zu getrübter Investitionsfreude geleistet haben, waren doch volle Kassen schon seit jeder ein guter Investitionsmotor. Letztendlich ist die Investitions­bereitschaft jedoch nicht nur eine Frage ökonomischer Rahmenbedingungen. Vielfach sind es auch psychologische Anreize, die zwar derzeit fehlen aber hoffentlich doch bald wieder dafür sorgen werden, dass die Geräusche von Mischmaschinen die Ruhe der Nebensaison durchbrechen.