Betriebsgröße und Konkurrenzfähigkeit

In der Schweiz wird derzeit eine heftige Diskussion bezüglich der Konkurrenz­fähigkeit und der langfristigen Überlebensfähigkeit der Hotellerie geführt. Als eines der wesentlichen Defizite wird die Betriebsgröße angesehen und darauf verwiesen, dass mehr als 90 % der Betriebe weniger als 50 Betten aufweisen. Sowohl die Betriebe als auch die touristischen Destinationen seien zu klein, so der Expertenbefund.

Die Rezepte zum Überleben in einer geänderten wirtschaftlichen Umwelt lösen ein deja-vue aus. Kleine Betriebe sind überlebensfähig, wenn sie die Wertschöpfungs­kette untereinander teilen, um Fixkosten zu sparen. Nicht jeder Betrieb muss über eine eigene Wäscherei verfügen oder ganztägig warme Küche anbieten.

Einige der Kooperationen in der Schweiz gehen dabei auch weiter als bei uns: Im Lötschental haben sich vier Hotels und ein Ferienwohnungsanbieter zusammen­getan und treten als „Lötschental Group“ auf. Sie nützen Synergien im Bereich Marketing, Kapitalbeschaffung, Einkauf und Versicherungen. Die Gäste haben zudem die Möglichkeit in den Restaurants der andern Partnerhotels zu dinieren. Das Resultat nach einem Jahr: eine Fixkostenreduktion von 30 % und eine hohe Mitarbeiterzufriedenheit.

Die jüngste heimische Statistik zeigt eine langsame Zunahme der Betriebsgrößen und für das Wirtschaftsjahr 2012 ebenfalls eine durchschnittliche Größe von 45 Betten. Dabei weisen allerdings die Betriebe der 4- und 5-Sterne-Kategorie im Durchschnitt 101 Betten aus. Sie sind damit aber immer nicht einmal halb so groß wie die in Europa tätigen Hotelketten, die es auf 250 Betten bringen.

Die gegenüber der Schweiz gute Konkurrenzfähigkeit der heimischen Hotellerie ist unter anderem auch auf die hohe Kooperationsbereitschaft der Hotellerie zurückzuführen. Mit Hilfe der TOP-Tourismus-Aktion wurden seit 1999 Hotelunter­nehmen mit mehr als 350.000 Betten, die mehr als 60 % der gewerblichen Betten Österreichs anbieten, zusammengefasst.

Diese hatten überwiegend gemeinsame Verkaufsaktivitäten zum Inhalt. Obwohl sie meist nicht so weit gegangen sind wie im angeführten Schweizer Beispiel, haben sie trotzdem immer dazu beigetragen, die Kräfte zu bündeln, die Werbebudgets zu stärken, den Auftritt professioneller zu gestalten und vom gemeinsamen Gedankenaustausch zu profitieren.