Bericht zur Lage des Tourismus

Heute wird der aktuelle Bericht zur Lage der Tourismuswirtschaft im Parlament diskutiert. Die Leistung von tausenden Unternehmern und hunderttausenden Mitarbeitern wird in nackte makroökonomische Zahlen gepresst und in hochkomprimierter Form im Tourismusausschuss berichtet. Mit in Betracht gezogen wird da sicherlich auch der Bericht des Expertenbeirates, der vor allem die künftig empfehlenswerten strategischen Optionen für Österreich beleuchtet und erstmals anlässlich des Tourismustages in Bregenz präsentiert wurde.

Die wesentlichen Erkenntnisse aus beiden Arbeiten lassen sich folgendermaßen verdichten:

  • Nach einem kurzen Aufschwung 2009 hat sich die Konjunktur im vergangenen Jahr wieder abgeschwächt und lässt auch für das heurige Jahr eine eher gedämpfte Nachfrage erwarten.
  • Aber trotz dieser schwierigen Rahmenbedingungen konnten die Nächtigungen im Jahr 2012 um 4 % zulegen und 131 Mio. übersteigen. Diese rein mengenmäßige Konjunktur hatte jedoch nur eine kleine reale Wachstumsrate bei den Einnahmen zur Folge.
  • Auf Ebene der Unternehmen – vor allem der Hotellerie – werden die Unternehmen langsam aber stetig größer, sind besser ausgelastet und haben bisher auch eine Preisdurchsetzung über der Inflationsrate lukrieren können. Dieser Fortschritt bedarf allerdings eines immer größeren Kapitaleinsatzes, worunter die Kapital­verzinsung touristischer Investitionen leidet. Aufgrund einer weit über der Inflationsrate liegenden Steigerung der Kosten sinkt allerdings das wirtschaftliche Ergebnis (ausgedrückt im GOP). Der GOP / Zimmer ist  nach einer langen Zeitreihe der Zunahme erstmals rückläufig ist.
  • Dies hat schwerwiegende Auswirkungen auf die Bonität der Unternehmen und wird nur durch das niedrige Zinsniveau gemildert.
  • Für die künftige Ausrichtung der Zielmärkte wird empfohlen, das Gewicht der Aktivitäten auf rasch wachsende Märkte zu legen, weil dort überdurchschnittliche Wachstumsraten zu erzielen sind.
  • Produktinnovation und –differenzierung sollen neben der Nutzung des Potentials für Kurzreiseangebote weiter dazu beitragen das hohe Niveau des heimischen Tourismus zu halten.

Die akademischen Vorgaben sind plausibel und nachvollziehbar. Neuorientierungen brauchen neben der Bereitschaft zur Veränderung jedoch Zeit und vor allem Geld. Letzteres ist jedoch angesichts der knappen öffentlichen Kassen eher Mangelware.