Ketten- oder Privathotellerie – Wer kann es besser?

Es gehört zu den immer wiederkehrenden Fragen, ob der Druck von Hotelketten jemals so massiv sein wird, dass die traditionelle, im Familieneigentum stehende Hotellerie an den Rand gedrängt wird. Im klub47 wurde vergangene Woche – moderiert von Kohl & Partner – dieses Thema im Hinblick vor allem auf die Wiener Stadthotellerie engagiert diskutiert.

Das Resümee war durchaus differenziert: In der Stadthotellerie haben die Ketten Vorteile. Da besteht die Möglichkeit ein standardisiertes Produkt einzuführen, die Vorteile einer Trennung von Besitz und Betrieb zu nutzen und den Betrieb in internationale Reservierungssysteme einzubinden. Wenn es also um ein Massenprodukt von der Stange geht, können die Hotelketten durchaus brauchbare Ergebnisse liefern.

Bei der Gestaltung eines anspruchs­vollen Produktes der Ferienhotellerie, sind die bisherigen Versuche der Ketten meistens gescheitert (Interconti in Loipersdorf, Capella in Velden, Vienna International in Kitzbühel oder Steigenberger in Bad Waltersdorf).

Die Dynamik bei Neuinvestitionen in der Wiener Hotellerie geht derzeit von großen kettengeführten Hotels aus, die zu einem sprunghaften Anstieg der Nächtigungen geführt hat und Wien heuer wahrscheinlich die Grenze von 12 Mio. Nächtigungen übersteigen lassen wird.

In Hinblick auf die Entwicklung von Nächtigungen und Auslastung liegt Wien nach wie vor nicht schlecht. Allerdings haben sich die Preise seit 2008 nicht mehr erholt und sind nominell leicht und unter Berücksichtigung der Inflation sogar kräftig gesunken.

Da muss die Privathotellerie schon all ihre Wettbewerbsvorteile aufbieten um konkurrenzfähig zu bleiben etwa durch Aufspüren und Nutzen von Nischen (z. B. durch Anbieten des bequemsten Betts, des abwechslungsreichsten Frühstücks, eines wirklich geräuschfreien Zimmers, etc.) und vor allem dem Vermitteln von persönlichem Touch und gelebter Gastgeberschaft.