Der Tourismus in der Preisspirale

Die Presse hat sich heute sorgenvoll über die Teuerung in Österreich geäußert. Das kann man zum Anlass nehmen auch die Preis- und Kostenentwicklung der Hotellerie näher zu beleuchten. Macht man einen Blick auf die mittlerweile vorliegenden Bilanzdaten 2011 wird man zuerst einmal erfreut feststellen, dass die Preise sogar deutlich höher als die durchschnittliche Inflationsrate angehoben werden konnten.

Während im Zeitraum 2000 bis 2011 der Verbraucherpreis um knapp 25 % gestiegen ist, haben die durchschnittlichen Pensionseinnahmen pro Nacht in der 4- bzw. 5-Stern-Hotellerie um 35 % angehoben werden können. Im selben Zeitraum sind jedoch die operativen Ausgaben insgesamt um stolze 62 % (!) gestiegen, wobei die Ausgaben für Werbung und Energie die Hitliste anführen.

Das hat sich natürlich auf die Umsatzrentabilität ausgewirkt, das operative Ergebnis (GOP) kam unter Druck und so halten wir heute bei einem GOP, der mit nicht einmal 22 % der Einnahmen deutlich unter den Durchschnittswerten der Jahrtausendwende liegt.

Die Angst angesichts schlechter Wirtschaftsdaten einen Einbruch bei den Buchungen zu erleiden hat wohl manchen Unternehmer dazu verführt, die Preisanhebung so vorsichtig vorzunehmen, dass nicht einmal mehr die Inflation der Ausgaben aufgefangen werden konnte. Sich bei der Preisgestaltung lediglich an der Inflationsrate zu orientieren, kann sich als ziemlich fatal erweisen, ist doch der Warenkorb des Verbraucherpreisindex ein völlig anderer als die Einkaufsliste eines Hotels. So nebenbei: Zweifel an der Richtigkeit der uns suggerierten Inflationsrate sind in anbetracht der Zahlen auch angebracht.

Künftige Preisstrategien können natürlich auch um Investitionsüberlegungen ergänzt werden, weil nach wie vor übers Ziel hinausgeschossen wird und die Investitionskosten nicht immer in Einklang mit den erzielbaren wirtschaftlichen Ergebnissen stehen. Wie sonst wäre es auch zu erklären, dass das Anlagevermögen in den letzten Jahren mehr als doppelt so stark zugenommen hat, wie der erzielte operative Überschuss.

Bei allen notwendigen betriebswirtschaftlichen Überlegungen sollten wir trotzdem eines nicht vergessen: Wer einen Urlaub bucht, kauft die Befriedigung seiner Sehnsüchte, ist auf der Suche nach Erholung, nach Neuem, nach Abwechslung und nach Erlebnissen. Wer es schafft mit innovativen Produkten dieses Bedürfnis zu decken, wird auch keine Probleme haben, die entsprechenden Preise zu erreichen.