Das Geschenk der niedrigen Zinsen

Die OeNB hat in einer ihrer letzten Aussendungen darauf verwiesen, dass die Unternehmen im Euroraum von den weiter gesunkenen Zinsen profitiert haben. Dabei haben österreichische Unternehmen vor allem im Bereich der Kredite unter einer Million Euro am meisten profitiert. Das Kreditwachstum in Österreich lag außerdem merklich über dem des Euroraumes, was auf eine überdurchschnittliche Zunahme der Investitionstätigkeit schließen lässt.

Bei allen Turbulenzen, die derzeit am Kapitalmarkt herrschen und trotz der schon mehrfach beklagten Liquiditätsaufschläge, die als ungewohnter Kostenfaktor aufgetreten sind, die Kreditzinsen sind zweifellos auf einem historisch niedrigen Niveau. Was den Sparer wenig freut – derzeit sind die Sparzinsen natürlich ebenfalls auf einem Niveau, das kaum die Inflation abdeckt. Aber einer Branche die traditionell unter einem hohen Fremdkapital-Rucksack leidet, ermöglichen die niedrigen Zinsen neue finanzielle Spielräume.

Die graphische Darstellung (in % der Einnahmen) zeigt die enge Verbindung von Zins- und Cashflow-Niveau, die in Niedrigzinsphasen den Cashflow anwachsen ließ. Damit war die Tourismuswirtschaft wohl auch einer der Wirtschaftszweige, die am meisten von der europäischen Vereinigung profitiert haben: Die neue Reisefreiheit und das grenzenlose Europa haben die innereuropäische Reisetätigkeit angekurbelt und die dank Euro niedrigen Zinsen dabei zusätzlich die Bilanzen entlastet. Jetzt gilt es die Gunst der Stunde zu nutzen und mit dem finanziellen Spielraum eine Konsolidierung oder eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen.