Rechnet sich Wellness?

Die Standortagentur Tirol hat gemeinsam mit der Wirtschaftskammer heute in Innsbruck einen Kongress veranstaltet, der sich umfangreich mit dem Thema „Wellness“ beschäftigte. Dabei wurde seitens der Tourismusbank die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Wellness-Investitionen nachgegangen – stehen Investitionen in diesem Bereich doch regelmäßig an vorderster Stelle auf der Investitionshitliste der Hotellerie.

Vordergründig spricht viel für Investitionen in diesem Bereich: Eindeutig auf Wellness spezialisierte Hotelbetriebe sind größer, sind besser ausgelastet, haben länger offen, erzielen einen deutlich besseren Preis und haben umgelegt auf das Zimmer auch einen höheren GOP pro Zimmer zu verzeichnen.

Sobald man jedoch auch das eingesetzte Kapital in die Rechnung einbezieht bietet sich ein völlig anderes Bild. Je größer der Umfang des Spa-Angebotes, desto geringer ist die erzielte Verzinsung bzw. der Überschuss in Relation zum eingesetzten Kapital. Der durchschnittliche heimische Hotelbetrieb, dessen Schwerpunkt im Bereich Wellness liegt, setzt 39 % mehr Kapital ein, um einen um 24 % höheren GOP zu erzielen. Dieses vordergründig überraschende Ergebnis kann nur mit den vergleichsweise hohen Investitionskosten erklärt werden.

Bei einer Mehrzahl der Vorhaben im Wellnessbereich hat offenbar ein zu hoher Kapitaleinsatz stattgefunden und damit wurde im Hinblick auf die Investitions­kosten deutlich übers Ziel geschossen. Dadurch sind die Konzepte in wirtschaftlicher Hinsicht in vielen Fällen nicht aufgegangen.

Das Thema „Wellness- und Spa-Angebot im Hotel“ ist keineswegs nur als materielle Investition zu verstehen und zu planen. Wichtiger ist das zugrundeliegende Gesamtkonzept. Wenn dieses stimmig ist, von Unternehmer und Mitarbeitern getragen wird und auch dessen investive Umsetzung gelingt, hat ein Hotelunternehmen einen entscheidenden Schritt in eine erfolgreiche Zukunft getan.

Falls der Weg in Richtung „Wellness“ gewählt wird, muss ein unterscheidbares Konzept erarbeitet werden. Bei der enormen Konkurrenz ist eine Profilierung über eine oberflächliche „Wellness“ nicht mehr möglich. Für das jeweilige Konzept ist dann ein möglichst straffes Raum- und Funktionsprogramm zu erstellen, das eine Kosten sparende Errichtung und einen ebensolchen Betrieb ermöglicht. Darüber hinaus ist auf eine möglichst ergebnisorientierte Führung (Wellness als Profit Center, wo zusätzliche Einnahmen geschaffen werden) der Einrichtungen ebenso zu achten, wie auf die Einbettung in ein ergänzendes Urlaubsangebot.

 

 

Hotel Kategorie 4/5 Sterne

Hotel Kategorie 4/5 Sterne mit Angebotsschwerpunkt „Wellness“

Anlagevermögen

EUR 3,8 Mio.

EUR 8,0 Mio.

Einnahmen

EUR 1,7 Mio.

EUR 3,5 Mio.

Auslastung

177 VBT

216 VBT

GOP / Zimmer

EUR 8.000

EUR 9.900

Return on Assets

4,1 %

3,5 %

Aktiva / Zimmer

100

139

GOP / Zimmer

100

124