Basel III – das Richtige zur falschen Zeit

Seit Tagen dominieren Wirtschaftsnachrichten die Schlagzeilen wie selten in den letzten Jahren. Griechenland und möglicherweise weitere Staaten im Euroraum haben aufgrund verantwortungsloser Budgetpolitik und unter bewusster Verschleierung ihrer tatsächlichen Situation die jeweiligen nationalen Haushalte an den Rand des Ruins gefahren. Basierend auf der Annahme, dass ein Mitglied des Euroraumes nie in Zahlungs­schwierig­keiten kommen könne, haben Banken, Versicherungen und Pensionsfonds die scheinbar sicheren Staatsschulden finanziert.

Diese Annahme und einige andere mehr haben sich als falsch heraus­gestellt und jetzt geht man daran, an den den Banken, die Welt zu retten indem man ihnen in erster Linie höhere Eigenkapitalquoten, eine höhere Liquiditätshaltung und andere Einschränkungen ihres Geschäftes verordnet, von denen man annimmt, dass sie das Finanzsystem stabiler machen.

Das mag schon alles seinen Sinn haben: Ein Mehr an Eigenkapital wird die Krisenanfälligkeit in jedem Fall reduzieren, ein höherer Liquiditäts­puffer kann Vertrauen schaffen und Leverage-Ratios sind geeignet, in Relation zum knappen Eigenkapital überbordende Geschäftstätigkeit einzuschränken.

Aber der Zeitpunkt der Einführung könnte wohl schlechter gewählt nicht sein: Gerade zu einem Zeitpunkt wo Griechenland-Verluste abzuschreiben sind, wo in Ungarn ein europäischer Nationalstaat in bester Straßenräubermanier für unerwartete Verluste sorgt und mangels Vertrauen in die Geldhäuser die Risikoaufschläge wieder neue Rekorde verzeichnen und darüber hinaus die jüngst verhängte Stabilitätsabgabe ihre unerfreuliche Wirkung entfaltet, werden in Brüssel über Nacht – und unter dem Zwang herzeigbare Ergebnisse zu präsentieren – Vorschriften erlassen. Diese sind durchaus geeignet, die Finanzierung eines herbei­gesehnten Aufschwunges schon vor dessen Einsetzen in Frage zu stellen.

Wenn das geforderte Eigenkapital nicht von der Börse kommt (Wer kauft zurzeit Bankaktien?) und die Erträge angesichts der geschilderten Umstände nicht ausreichen, bleibt nur die Möglichkeit die Kreditaus­weitung zu reduzieren. Eine ähnliche Wirkung hat auch der Leverage-Ratio, von dem wohl ein konsolidierender Effekt erwartet werden kann aber ein Hemmnis für die Neukreditvergabe und damit die Bereitschaft zu finanzieren ist er allemal.

All diese unerfreulichen Erwartungen werden auch dadurch verschärft, weil wohl erwartet werden muss, dass die Kosten für all diese Neuerungen von jenen Teilen der Wirtschaft getragen werden müssen, welche die schlechteste Verhandlungsposition haben, nämlich die KMUs und da vor allem die bonitätsschwachen, die froh sein müssen, überhaupt noch eine Finanzierung zu erhalten. 

Bei allem Verständnis für die Einführung der geplanten Maßnahmen, es spricht vieles für lange Einführungszeiträume und auch dafür, negative Auswirkungen auf die Kleinen und Mittleren Unternehmen Europas weitestgehend zu beseitigen. Schließlich ist auch kein Fall bekannt, dass ein europäisches Kreditinstitut durch den Ausfall eines KMUs in ernste Schwierigkeiten geraten wäre.