Keine Angst vor den Ketten

Es gehört zu den Dauerthemen der Diskussion unter Touristikern, ob der Druck der Hotelketten jemals so massiv sein wird, dass die traditionelle, im Familieneigentum stehende und von Familien geführte Ferienhotellerie nach und nach zur Aufgabe gezwungen wird. Am Rande der Alpbacher Wirtschaftsgespräche fand eine Veranstaltung der Tourismus Community Austria statt, wo dieses Thema engagiert diskutiert wurde.

Das Resumee war durchaus differenziert: In der Stadthotellerie haben die Ketten Vorteile. Da besteht die Möglichkeit ein standardisiertes Produkt einzuführen, die Vorteile einer Trennung von Besitz und Betrieb zu nutzen und den Betrieb in ein internationale Reservierungssysteme einzubinden. Bei der Gestaltung eines anspruchs­vollen Produktes der Ferienhotellerie, sind die bisherigen Versuche der Ketten meistens gescheitert (Interconti in Loipersdorf, Capella in Velden, Vienna International in Kitzbühel oder Steigenberger in Bad Waltersdorf). Auch die zunehmend häufiger von den Banken geforderten Ergebnisgarantien bei Betreiber­verträgen sind ebenso ein Hemmschuh sich zu engagieren wie die meist nicht kettengerechten Betriebsgrößen.

In der Saisonhotellerie herrschen andere Spielregeln. Da können engagierte Familien ein einzigartiges Produkt entstehen lassen, das sich an den Gästebedürfnissen orientiert, fortlaufende Innovationen beinhaltet und auf Dauer den persönlichen Kontakt zu den Kunden wachsen lässt.

Wenn es also um ein Massenprodukt von der Stange geht, können die Hotelketten durchaus brauchbare Ergebnisse liefern. Die Leistung eines Ferienhotels ist jedoch eher mit einem Maßanzug vergleichbar. Da haben engagierte Unternehmerfamilien die Möglich­keit ein unverwechselbares Produkt zu machen und eine dauerhaft gute Stellung im Wettbewerb zu halten.

Vergleich dazu auch den Beitrag von Ulrike Reisner: http://www.tp-blog.at/markt-kommunikation/keine-angst-vor-kettenhotellerie