Eigenkapital in der Tourismuswirtschaft

Österreichs Tourismusbetriebe sind traditionell schlecht mit Eigenkapital ausgestattet. Nach Reihenanalyse aus dem Bilanzjahr 2009 liegt die Eigenkapitalquote der 3-Stern-Hotellerie im Median bei minus 3,6%, die der 4-und 5-Stern-Hotellerie bei + 7,1%. Der vergleichsweise hohe Stellenwert, den die Eigenkapitalquote in den bankspezifischen Ratings nach den Vorgaben von BASEL II & BASEL III einnimmt, führt zu tendenziell schlechten Ratings für Tourismusbetriebe und damit zu höheren Risikoaufschlägen und zu teureren Kreditkonditionen.

Entwicklung des bilanziellen Eigenkapitals (in % der Bilanzsumme) Quelle: Berechnungen ÖHT

Entwicklung des bilanziellen Eigenkapitals (in % der Bilanzsumme) Quelle: Berechnungen ÖHT

Wenngleich Eigenkapital nicht „künstlich produziert“ werden kann, könnte doch durch eine Vielzahl von Handlungsweisen die bilanzielle Eigenkapitalquote und damit das Bilanzbild verbessert werden. In der Folge finden sich einige häufig anzutreffende Beispiele – angemerkt wird jedoch ausdrücklich, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht als allgemeingültiges „Rezept“ verstanden werden dürfen, sondern jeweils im Einzelfall zu überlegen und auf eventuelle rechtliche, steuerliche oder sonstige Konsequenzen zu prüfen sind.

Eigenkapitalverbesserung durch Umgründungsmaßnahmen

Traditionell ist eine Vielzahl von Tourismusunternehmen als Einzelunternehmen konzipiert, die aufgrund langer Bestandsdauer bereits hohe Abschreibungen lukriert haben und damit bilanziell Vermögenswerte ausweisen, die unter den tatsächlichen Verkehrswerten liegen. Unter Anwendung der aus dem Umgründungssteuergesetz gegebenen Möglichkeiten kann eine „neue GmbH“ gegründet werden, in die das bisherige Einzelunternehmen aufgewertet – also nicht zu historischen Buchwerten, sondern zu aktuellen aufgrund eines Schätzgutachtens ermittelten Verkehrswerten – eingebracht wird. Die neue GmbH. Wird also über entsprechend höhere Aktiva verfügen, als das bisherige Einzelunternehmen; es kann damit gelingen, eine günstigere Eigenkapitalquote darzustellen.

Eigenkapitalverbesserung durch bilanzielle Zusammenfassung von Vermögenswerten

Recht häufig finden sich steuerrechtliche Konstruktionen, in denen Teile des betriebliche genutzten Vermögens als Sonderbetriebvermögen geführt wird oder als Aktivvermögen in anderen Gesellschaften aufscheint. Durch Zusammenfassung der entsprechenden Vermögenswerte in eine konsolidierte Gesellschaft verbessert sich in aller Regel die bilanzielle Eigenkapitalausstattung.

Eigenkapitalverbesserung durch Einbringung privater Vermögenswerte

Oft ist festzustellen, dass selbst betrieblich genutzte Grundstücke, insbesondere aber diverse nicht betrieblich verwendete Immobilien und sonstige Vermögenswerte nicht in der Unternehmensbilanz enthalten sind, sondern im „Privateigentum“ des Unternehmers stehen. Das ist nachvollziehbar, wenn gelingt, diese Vermögensteile auch hinsichtlich der betrieblichen Kredite „außen vor zu lassen“, es ist jedoch dann nicht verständlich, wenn die privaten Vermögensteile – sehr häufig der Fall – realschuldnerisch für die betrieblichen Verbindlichkeiten haften; ist dies der Fall, kann ohne negative rechtliche (besicherungstechnische) Folgen eine Zuschreibung der Vermögensteile in die betriebliche Bilanz erfolgen, verbessert damit die Aktivseite der Bilanz und erhöht die rechnerische Eigenkapitalquote.

Eigenkapitalverbesserung durch Anpassung von Passivpositionen

In Jahresabschlüssen von Tourismusbetrieben finden sich immer wieder hohe Beträge, die als „Privatdarlehen“ diverser Mitglieder der Unternehmerfamilie ausgewiesen werden. In aller Regel sind diese Darlehen nicht verzinst und nicht rückzahlbar – haben also Eigenkapitalcharakter, werden aber im Fremdkapital geführt. Durch entsprechende Rückstehungserklärungen ist es dem bilanzierenden Steuerberater/Wirtschaftstreuhänder leicht möglich, diese Positionen in das Eigenkapital umzubuchen; daraus entsteht eine unmittelbare Verbesserung der rechnerischen Eigenkapitalquote.

Eigenkapitalverbesserung durch Änderung der Abschreibungsusancen

Tourismusbetriebe neigen dazu, möglichst große Teile getätigter Investitionen als Instandhaltungsaufwand oder GWG sofort erlösmindernd geltend zu machen und damit den steuerlichen Gewinn des Investitionsjahres zu minimieren; erfreuliche Konsequenz dieser Vorgehensweise mag sein, dass sich die – je nach Rechtsform – Einkommens- oder KöSt.-Last reduziert, nachteilig ist aber jedenfalls, dass die zur Finanzierung der jeweiligen Investitionen aufgenommenen Fremdmittel passivseitig aufscheinen, während die gleichzeitig entstandenen Aktiva nur entsprechend verkürzt bilanziell abbilden – logische Konsequenz ist eine deutliche rechnerische Verschlechterung der Eigenkapitalquote.